Peter-Schober-Consulting

Heute schon das tun, woran andere erst morgen denken!

  
kommentare zu politik und wirtschaft 8.2006  IMPRESSUM Site NAVIGATION

KOMMENTARE JULI 2006                         KOMMENTARE JUNI 2006

 

24.8.2006 Zweite Runde im Libanon

Ein optimaler Zeitpunkt für weitere Aktivitäten der Hizbollah (Raketenabschüsse), wäre innerhalb der nächsten Wochen, in dem Zeitraum, wenn die libanesische Armee Einheiten nach Süden verlegt hat, aber noch keine weiteren UN Einheiten aus dem Ausland eingetroffen sind. Die Hizbollah und Ihre Herren in Syrien und Teheran können kein Interesse daran haben (auch die Europäer zeigen ja wenig Begeisterung), dass sich UN Truppen in Größenordnung mit einem robusten Mandat in den Südlibanon begeben. 

Die libanesische Armee wird in einer solchen Situation nicht umhin können, als Schutzschild für die Hizbollah zu agieren (oder abzuhauen). Schach!

 

22.8.2006 20 % höhere Ölkosten allein durch defekte Pipelines in den nächsten Jahren

Matt Simmons, einer der renommiertesten Bankiers im Ölgeschäft, spricht anlässlich des Prudhoe Bay Pipeline Lecks davon, dass in den nächsten Jahren allein seitens defekter Pipelines die Kosten pro Barrel Öl um ca 20 % steigen werden, ungeachtet aller anderen Steigerungsursachen!!  Die durchschnittliche Lebensdauer einer Pipeline wird von BP mit ca. 25 Jahren veranschlagt. Erinnern wir uns, das der große Pipeline Bau Boom ca. von 1950 bis Anfang der 70 er Jahre verlief. Diese Pipelines und andere ebenso alte Ölanlagen wurden aber in den 90 er Jahren nicht ersetzt, weil damals die Ölpreise so gering waren, dass die Industrie diese Investitionen nicht tätigen konnte. Nun kommt der Ersatzbedarf dieser Altanlagen wie eine gigantische Kohorte auf uns zu. Sofern die nötigen Investitionen getätigt werden, zahlt natürlich der Verbraucher.

 

20.8.2006 Der 22.8. ist im Islam ein wesentliches Datum

Das ist der Tag an dem Irans klerikal faschistischer Präsident sich zum UN Ultimatum äußern will. Dieses Datum wurde im übrigen nicht von der UN vorgegeben, sondern von Seiten des Iran, und birgt eine ganze Reihe brisanter Konnotationen. 

Im islamischen Kalender entspricht August 22 dem Jahrestag eines heiligen Ereignisses. Dem 27. Tag des Monats Rajab im Jahr 1427. Das ist der Tag an dem der Islam der Flucht Mohammeds auf dem legendären fliegenden Pferd Burak gedenkt. Erst begab er sich zur entferntesten Moschee in Jerusalem, dann in den Himmel und zurück.

Der 22. August trifft auch in etwa mit einem anderen Ereignis zusammen, der Rückeroberung Jerusalems von den Kreuzfahrern durch den muslimischen Feldherrn Saladin.

Vielleicht am wichtigsten aber, es markiert der 22. August das ungefähre Datum der Rückkehr des 12. Imam zur Welt. Die Schiiten glauben, dass der Mahdi eine neue Ära der islamischen Gerechtigkeit mit sich bringen wird.

Den Symbolwert dieses Datums sollte man deshalb nicht unterschätzen. Es klingt keinesfalls so, als ob Ahmadinedjad ausgerechnet dieses Datum gewählt hat um klein beizugeben. Für Ahmadinedjad und Millionen von Schiiten sind diese Glaubensereignisse Fakten.

Als israelischer Ministerpräsident hätte ich an diesem und den folgenden Tagen den Finger am Drücker. Nein, ich hätte ihn immer am Drücker!

 

20.8.2006 CDU pro Forcierung der Atomkraft

In der CDU wird der Widerstand gegen den Rückbau der Atomkraft immer stärker. 

Ich denke, dass diese Politik sich schon mittelfristig durchsetzt. Nicht weil ich pro Atomkraft wäre, sondern weil wir nicht in der Lage sind unsere Abhängigkeit von Öl und Gas mit einer konzertierten Politik zu verringern. Das wird uns in eine Situation bringen, in dem wir energiepolitisch nach jedem Strohhalm greifen müssen.

Andere Länder, die energieabhängig sind, machen uns das im übrigen vor. Sehen Sie sich die in Asien geplanten Bauprogramme von Atomkraftwerken an.

Investoren sollten einen Blick auf meinen Kommentar vom 10.8.2006 werfen.

 

20.8.2006 Heute GM und Ford, morgen VW und Mercedes

Bis zu 33 % Rabatt auf Neuwagen. Das ist eine Situation, die wir in Amerika schon seit 2 bis 3 Jahren haben. GM und Ford stehen ua deshalb vor der Pleite. Ich gehe davon aus, das auch die deutschen Autobauer, vor allem VW mit seinem zusätzlichen Prodktivitätspoblem  in 2007 massiv  in die roten Zahlen rutschen. 

Haben Sie sich mal angesehen wie Ihr Kapitalanlagefonds sein/Ihr Geld anlegt?

 

19.8.2006 Deutsche Mogelpackung

Es sollen  mal wieder Steuergelder verschwendet werden, diesmal für einen völlig überflüssigen Marineeinsatz vor der Küste des Libanon, angeblich um Waffenlieferungen zu verhindern. Anscheinend hat es sich bei unserer Regierung noch nicht herum gesprochen, dass Syrien und Libanon eine Landgrenze von über 200 Kilometern haben, die von der geplanten UNO Truppe nicht kontrolliert wird, und über die Waffen in jeder gewünschten Menge geliefert werden können. 

Mit dieser Marineinitiative wird ein neuer Verblödungsgipfel in Deutschland erreicht. Die Frage dabei ist nur, ist die Regierung verblödet, oder hält sie die Bevölkerung für blöde?

Im übrigen sind die für den Einsatz geplanten Schnellboote (S148 Klasse) für einen Einsatz in heißem Klima ungeeignet, wie die Erfahrungen vor Somalia 2002 gezeigt haben. Wann bemerkt man bei FOCUS, Spiegel und Konsorten eigentlich, dass die Waffenversorgung per See angesichts der Landgrenze irrelevant ist. Stiftet der Presse doch mal einen Globus!

 

15.8.2006 Ölfördermenge stagniert trotz Höchstpreisen weiter

Bei den gegenwärtigen Preisen sollte es eigentlich eine sichtbare Steigerung der Fördermenge geben. Passiert aber nicht. Da nicht anzunehmen ist, das die OPEC und andere kein Geld mehr verdienen wollen, muss es offensichtlich einen anderen Grund geben. Die Grafik regt zum Nachdenken an:

Ölproduktion versus Preis 

15.8.2006 Aktualisierte Liste des Zustandes der größten Ölfelder

In meinem Kommentar vom 26.6.2006 habe ich über die  Situation der größten Ölfelder geschrieben. dazu gibt es eine aktualisierte Liste mit Angaben zu den Förderrückgängen.

7.8.2006 Deutsche Bank zur Ölpreisentwicklung

Nettes Zitat: "Die Prognosen, dass die Preise heruntergehen, wobei mit so einer Art Sissy-Welt, einer heilen Welt argumentiert wird, ist nicht realistisch. Wir haben es mit Macht zu tun, wir haben es mit realer Konzentration zu tun und wir haben ein Toben auf den Weltmärkten, dass wir feststellen müssen. Auch wenn die Ölpreise jetzt vielleicht einmal zwei Tage oder von mir aus auch ein halbes Jahr herunterkommen, dann ist das nicht die Zukunft. Wachen Sie auf!"
Dr. Josef Auer, Deutsche Bank Research, am 9.6.2006 auf einem Hearing des Landtages in NRW (siehe auch unten)

 

5.8.2006 Ghawar, das größte und wichtigste Ölfeld der Erde produziert angeblich erheblich weniger als angegeben

Von Richard Heinberg gibt es einen guten Artikel im Energy Bulletin, in dem er folgendes mitteilt: 

"At the same time, the Saudis are hiring just about every spare drilling rig in the world, resulting in a dramatically falling rig count in the Gulf of Mexico—a place that would otherwise be seeing an increasing count, given the fact that Mexico’s giant Cantarell field is in now in steep decline, with dire implications for the nation’s economy.
Matthew Simmons (Twilight in the Desert) has been insisting for the past few years that Saudi production is close to peak and that Ghawar, the world’s biggest field, may be in decline. Now many others are speculating that this is the real reason for the falling production figures.
What happens next? It depends on the real condition of Ghawar. Perhaps a heroic drilling campaign could result in a temporary bloom in production, lasting perhaps three years, followed by a swift, terminal collapse. On the other hand, it is possible that the field has been so thoroughly exploited already that we are seeing the irreversible, rapid decline. At the ASPO conference a well-connected industry insider who wishes not to be directly quoted told me that his own sources inside Saudi Arabia insist that production from Ghawar is now down to less than three million barrels per day, and that the Saudis are maintaining total production at only slowly dwindling levels by producing other fields at maximum rates. This, if true, would be a bombshell: most estimates give production from Ghawar at 5.5 Mb/d "

Bewahrheitet sich diese Aussage über Ghawar, das größte und wichtigste Ölfeld Saudi Arabiens (siehe auch meinen Kommentar vom 26.6.2006), werden wir innerhalb der nächsten 12 Monate deutlich über 100 Dollar pro Barrel (plus Dollarabwertungsaufschlag) Öl bezahlen müssen. Dies könnte auch der Auslöser einer Panikreaktion sein. Was passiert wenn Ölproduzenten beginnen Ihre Ölreserven für Ihre eigenen Bürger zu horten, beziehungsweise Öl nicht mehr frei gehandelt wird, sondern nur noch im Rahmen bilateraler Verträge an ausgewählte Partner geliefert wird (dies ist eine Variante die China seit einigen Jahren verfolgt)?

Extremszenario: Stellen Sie sich einmal vor, was passiert wenn der Supermarkt  in dem Sie immer einkaufen (und auch die anderen), plötzlich keine Ware mehr erhält? Lundberg hat das so beschrieben:

"Das Szenario das ich voraussehe ist, dass eine Panikreaktion der Märkte, innerhalb weniger Tage die Preise in den Himmel treiben wird. Und da die Ölversorgung dem täglichen Bedarf von über 80 Millionen Barrels nicht mehr zufriedenstellen kann, werden die Märkte paralysiert durch ein Preisniveau, dass weit über den Möglichkeiten von Firmen und auch über den Möglichkeiten der privaten Verbraucher in den "fortgeschrittenen" Gesellschaften liegt. Vielleicht gibt es einen Anlaß der den endgültigen Energie Crash auslöst, aber die grundlegende Ursache wird der gewaltige Ölverbrauch auf einem endlichen Planeten sein". (Lundberg 2005, Übersetzung Schober) .... mehr.

3.8.2006 Gasförderung in den USA in 2006 oder Anfang 2007 über dem Peak

Interessanter Bericht, dass das Maximum an Fördervolumen bei Gas in den USA innerhalb der nächsten ca. 6 Monate erreicht sei. Das hat auch Folgen für Deutschland und andere, da die USA, deren Stromerzeugung weitgehend durch gasbetriebene Kraftwerke erfolgt, die benötigten Mengen als LNG (LNG = Flüssiggas, zB aus Russland) zukaufen müssen, was die Preise hochtreibt. Ein Peak bei einer Gasquelle bedeutet im übrigen, das die Fördermenge nicht mehr oder minder langsam sinkt wie bei einer Ölquelle, sondern ziemlich abrupt auf Null geht.

2.8.2006 Der nächste Schritt zum Krieg

Irans klerikal-faschistischer Präsident gab gestern in einer Rede bekannt, dass man im Iran auch weiterhin Urananreicherung betreiben werde. Insofern ist auch das UN Sicherheitsrat Ultimatum zum 31.8.06 jetzt schon beantwortet.
Wann begreifen die westlichen Länder endlich, dass Ahmadinedjad versucht einen Krieg vom Zaun zu brechen. Appeasement Politik funktioniert nicht, wenn einer der Protagonisten keinen Frieden will.
Es liegt auf der Hand, dass  Irans Atomaktivitäten und der Krieg zwischen Israel und Hizbollah miteinander verbunden sind, und dass beide Krisen nur gemeinsam gelöst werden können.

Das die  Hizbollah im Libanon ohne Rücksprache mit Teheran einen Konflikt vom Zaun gebrochen hat ist extrem unwahrscheinlich. Hizbollahs Aktion macht im Kontext von Irans Expansionsbestrebungen aber Sinn. Teheran ist bestrebt nicht selbst als Aggressor dazustehen, um es den sunnitischen arabischen Staaten wie Saudi Arabien (die keineswegs mit Irans Großmachtbestrebungen glücklich sind) zu erschweren, sich mit den westlichen Ländern zu verbünden. Hizbollah, Libanon und auch Syrien sind nur Bauern im großen Schachspiel, dass der Iran begonnen hat um sich als regionale arabische Vormacht zu etablieren und im ewigen Konflikt mit den Sunniten den ersten Preis zu sichern.
Faktisch folgt die ganze Entwicklung einer bei allen Beteiligten klar erkennbaren Logik (zur differenzierten  Motivstruktur der Beteiligten siehe meinen Kommentar vom 17.7.2006). Ebenso wenig wie die Amerikaner den Irak verlassen können/werden, kann Israel den Libanon verlassen ohne den Süden mit Bodentruppen zu besetzen. Psychologisch muss Israel einen vollständigen Sieg erringen (gleich vollständiger Räumung des Südlibanon oder/und zumindest der Einrichtung einer entmilitarisierten Zone unter eigener Aufsicht oder unter der Aufsicht internationaler Truppen, die mit einem robusten Mandat ausgestattet sind, also schießen dürfen). Alles andere kommt einer Niederlage gleich. Da die UN und die Europäer aber die Hosen voll haben und eine Sicherungstruppe mit robustem Mandat in keinem der Länder politisch durchsetzbar ist, kann nur Israel selbst dieses Gebiet kontrollieren. Damit ist aber der nächste Schritt zur Eskalation vorprogrammiert. Der massive Einmarsch israelischer Bodentruppen wird innerhalb der nächsten 7 tage erfolgen.
Der nächste Bauer, der unter einem geeigneten Vorwand das Spielfeld betritt, dürfte dann Syrien sein. In meinem Kommentar vom 24.7.06 habe ich die wirtschaftlichen Hintergründe des Libanon Krieges für das Assad Regime erläutert.

Vielleicht sind die USA und Israel sogar froh über diese Entwicklung.  Bush hat offensichtlich erkannt, dass die Energieabhängigkeit der USA, die er in seiner Januar Rede beschwor, nicht durch systemische Maßnahmen in den USA zu lösen sind, weil es dafür politisch keine Mehrheit gibt. Ich halte ihn für clever genug (siehe meine Präsentation zu Bush) zu wissen, das es innenpolitisch nur eine Veränderung geben kann durch eine massive Initialzündung wie es der Konflikt mit dem Iran wäre. Ich gehe davon aus, dass Bush den Hirsch Report gelesen hat und dass er einem konservativer Erdölinvestmentbanker wie Matt Simmons zuhörte.

Nichts wäre den USA und Israel lieber, als die Verwandlung des assymetrischen Krieges gegen Terroristen, in dem die USA und Israel nicht siegen können, in einen „richtigen“ Krieg, in dem die Gegner keine wirkliche Chance haben.

Erst die zeitweise Sperrung der Straße von Hormuz (eine logische Entwicklung in einem Konflikt mit dem Iran) wird den Westen wachrütteln und dafür sorgen, dass das Thema Energiesicherheit zentrale Agenda wird. Besser spät als nie.


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